Kasachstan - Wirtschaftliche Kennzahlen

Wirtschaftliche Lage

Kasachstan ist nicht nur innerhalb Zentralasiens, sondern auch innerhalb der GUS auf den führenden Rängen bei der wirtschaftlichen Entwicklung .

Um die Einnahmen aus dem florierenden Öl- und Gassektor sinnvoll zu nutzen, wurde im Jahr 2000 ein Nationaler Erdölfond zur Stabilisierung der staatlichen Einnahmen gegründet, der sich aus den Einnahmeüberschüssen speist, die über dem Referenzwert von 49 USD pro Barrel Erdöl liegen.

Um sich aus der Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen zu befreien, soll die verarbeitende Industrie  ausgebaut werden. Hinzu kommen die Entwicklung von Infrastruktur und agroindustriellem Sektor. Mit seiner „Strategie 2030“ ist Kasachstan zu den 50 am weitesten entwickelten Ländern der Welt aufgerückt.

Aufgrund umfassender Reformen im Wirtschafts- und Finanzsektor in den 90er Jahren, die die Privatisierung vormals staatlicher Betriebe nach sich zogen, erholte sich das Land relativ schnell von der Wirtschaftskrise in Folge der Auflösung der Sowjetunion.

Dank der raschen Entwicklung des Rohstoffsektors und steigender Rohstoffpreise löste Kasachstan seinen Nachbarn Usbekistan, das zuvor als „wirtschaftliche Lokomotive“ Zentralasiens galt, in seiner Führungsrolle ab.

Im Gegensatz zu Usbekistan, das ab 1996 eine zunehmend restriktivere Wirtschaftspolitik mit einem handelshemmenden System der Devisenbewirtschaftung verfolgte, öffnete sich Kasachstan internationalen Investoren. Die außenpolitisch verfolgte Multivektorpolitik Kasachstans spiegelt sich so auch wirtschaftlich wieder.

Probleme und Perspektiven

Die Entwicklung eines freien Unternehmertums hat in Kasachstan gerade erst begonnen. Kleine und mittelständische Betriebe sind bisher kaum entwickelt. Staatliche Monopolisten dominieren die wichtigsten Branchen.

Für in Kasachstan aktive deutsche Unternehmen problematisch sind:

  • enge Verschränkung von Staat und Politik, die zum einen zwar eine staatliche Unterstützung systemrelevanter Industrien garantiert, oft auch jenseits wirtschaftlicher Effektivität, die andererseits aber stets staatliche Regulierung ermöglicht
  • Bürokratie und Korruption
  • relativ hohe Kreditzinsen
  • Kaum Entwicklung von KMU

Demgegenüber der Wille der kasachischen Regierung, die verarbeitende Industrie zu entwickeln, Perspektivische Wachstumsbranchen sind:

  • Erdölförderung und -verarbeitung
  • Gasförderung und -verarbeitung
  • Bergbau und Verarbeitung zahlreicher Bodenschätze wie Uran, Kupfer, Zink, Kohle, Eisenerz u.a.
  • Stromerzeugung und -verteilung
  • Modernisierung/Ausbau der Transportinfrastruktur, der Chemie-, Baustoff- und Lebensmittelindustrie sowie der Landwirtschaft
  • Mobilfunk
  • Trinkwasserversorgung und Bewässerungswirtschaft,
  • Modernisierung/Neubau sowie Ausstattung von allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen sowie medizinischer Einrichtungen wie Krankenhäuser und Polikliniken

Das Bewusstsein für hochwertige Handelsgüter wächst. Allerdings ist Kasachstan vorwiegend an ausländischen Investitionen interessiert.

Außenwirtschaft

Kasachstan gehört neben Russland und Belarus zu den Gründungsmitgliedern der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Diese ist seit dem 1. Januar 2015 in Kraft und war aus der seit 2010 geltenden Zollunion der drei Länder hervorgegangen.

Zweck der EAWU ist ein einheitlicher Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Zolltarifen und Verwaltungsvorschriften, der durch den weiteren Abbau von Handelsschranken den Binnenmarkt beteiligten Länder entwickeln soll. Mittlerweile sind auch Armenien und Kirgistan Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Kasachstans Außenhandel hatte sich nach einem starken Einbruch im Jahr 2009 in Folge der weltweiten Wirtschaftskrise in den Jahren 2011 und 2012 recht gut erholt.

Durch anhaltend niedrige Rohstoffpreise, die Wirtschaftskrise Russlands in Folge der Ukraine-Krise und daraus resultierende Probleme wie die drastische Abwertung des Tenge und ein großes Haushalts-Defizit hat Kasachstan derzeit erneut eine deutliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung zu bewältigen. Im Jahr 2016 könnte die kasachische Wirtschaft das erste Mal seit 1998 schrumpfen.

Wichtigste Außenhandelspartner Kasachstans sind beim Export China, Italien und Russland, beim Import Russland, China und Deutschland.

In Kasachstan sind derzeit etwa 160 deutsche Repräsentanzen und Filialen sowie 170 Firmen mit einer deutschen Kapitalbeteiligung tätig. Das Interesse deutscher Firmen an Kasachstan ist trotz Schwierigkeiten stabil.

Indikatoren

BIP: 148,3 Mrd. USD (2017, Prognose)

BIP pro Kopf: 8.140 USD (2017, Prognose)

Exporte nach D: 2,9 Mrd. Euro (2016, -36,5%)

Importe aus D: 1,1 Mrd. Euro (2016, -12,6%)

(Quellen: IWF, GTAI)

Außenhandelsstatistik