Auf der Suche nach Investoren: Deutsch-Turkmenisches Businessforum in Berlin

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14.02.19 Deutschland, Turkmenistan

Gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der deutschen Wirtschaft (OAEV) veranstaltete die Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien am 13. Februar das Deutsch-Turkmenische Business-Forum in Berlin.

Knapp 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, „deutlich mehr als erwartet“, wie Eduard Kinsbruner, Regionaldirektor für Zentralasien beim OAEV, anmerkte.

Aus Turkmenistan war eine hochrangige Delegation unter Leitung des Vize-Premiers Chary Gylydzhov angereist. Zu ihr gehörten unter anderem der Landwirtschaftsminister, der Wirtschafts- und Energieminister sowie Vertreter der Regionen und von Unternehmerverbänden wie Serdar Berdimukhamedov, Vize-Gouverneur der Region Akhal und Sohn des turkmenischen Präsidenten, Myrat Archayev, Chef des Staatskonzerns Turkmengaz sowie Alexander Dadayev, Vorsitzender des Verbandes der Industriellen und Unternehmer Turkmenistans.

Von deutscher Seite nahmen neben den Vertretern der Veranstalter unter anderem Alexander Schönfelder, Beauftragter für Technologiepolitik, Handels-, Finanz- und Sanktionspolitik und Außenwirtschaftsförderung des Auswärtigen Amts, und Jörg Bongartz, CEO Central and Eastern Europe, Deutsche Bank AG, sowie zahlreiche weitere Unternehmensvertreter deutscher Unternehmen wie Siemens, Roland Berger, Polytrade, Inros Lackner teil.

Im Rahmen eines Panels zur Neuen Seidenstraße unter der Leitung von Maxi Hülsen, Referatsleiterin Ost- und Südosteuropa, Zentralasien beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), wurden die Chancen und Herausforderungen für Turkmenistan im Transport- und Logistik-Sektor erörtert.

Turkmenistan will ein Transporthub in Zentralasien werden. 2018 wurde der internationale Seehafen in Türkmenbashi eröffnet. Das 1,5 Mrd. USD teure Projekt soll jährlich 300.000 Passagiere, 75.000 LKW und 400.000 Container abfertigen. Die Binnenländer Usbekistan und Kirgistan haben bereits angekündigt, den Hafen nutzen zu wollen. Im Januar begann der Bau einer 640 Kilometer langen Autobahn zwischen der Hauptstadt Aschgabat und Turkmenabat an der Grenze zu Usbekistan. Kostenpunkt: 2,3 Mrd. USD.

Die turkmenischen Vertreter machten ihr großes Interesse an einem stärkeren Engagement deutscher Unternehmen in Turkmenistan deutlich. Deutschland ist der wichtigste Wirtschaftspartner für Turkmenistan in der Europäischen Union. Im vergangenen Jahr betrug die Außenhandelsbilanz Deutschlands mit Turkmenistan rund 150 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Einbruch um knapp 60 Prozent.

Aufgrund zurückgegangener Rohstoffpreise hat Turkmenistan in den vergangenen Jahren erhebliche Einbußen erlitten. Die dringend erforderliche Modernisierung der Infrastruktur und industrieller Anlagen sowie die Diversifizierung kommen nur schleppend voran. Grund dafür ist die staatliche Kontrolle der Wirtschaft, einen freien Markt gibt es in Turkmenistan praktisch nicht.

Alexander Schönfelder von Auswärtigen Amt sprach diese Probleme auch deutlich an. „Deutschland braucht vertrauensvolle und verlässliche Partner, um den Weg für Investitionen freizumachen.“

Dass man diesbezüglich durchaus gleiche Interessen verfolge, machte Alexander Dadayev vom turkmenischen Unternehmerverband klar: „Ja, wir sind hier, weil wir Investitionen brauchen, und zwar riesige Investitionen.“

Tatsächlich steht eine ganze Reihe von Projekten mit deutscher Beteiligung in Turkmenistan nach wie vor in Frage, da deutsche Unternehmen Außenstände bei der turkmenischen Regierung haben. Diese sind zum Teil seit Jahren ungelöst und belasten die deutsch-turkmenischen Beziehungen.

Nichtsdestotrotz wurden im Rahmen des Forums zahlreiche Vereinbarungen unterzeichnet. Die Beziehungen beider Länder sollen weiter ausgebaut werden.

Bereits im Vorfeld des Forums trafen sich Vertreter Turkmenistans mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Hans-Joachim Fuchtel, und besuchten das Entwicklungszentrum des Landmaschinenherstellers Claas. Des Weiteren wurden Absichtserklärungen zur Zusammenarbeit zwischen dem Agrotechnikproduzenten Umax Trade GmbH und dem Landwirtschaftsministerium Turkmenistans sowie der Turkmenischen Agraruniversität unterzeichnet. Landwirtschaftlich ist vor allem der Anbau von Baumwolle verbreitet.

Besprochen wurden ebenfalls Investitionsmöglichkeiten deutscher Firmen in die Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien-Pipeline (TAPI), die jährlich rund 30 Mrd. Kubikmeter Gas transportieren soll.

Turkmenistan verfügt über große Erdöl- und Erdgasvorkommen. Es gehört zu den sechs größten Gasexporteuren weltweit. Erdgas, Erdöl und Raffinerieprodukte sind auch die Haupteinnahmequelle des Landes. Turkmenistan gilt als ein potenzieller Erdgaslieferant für Europa. Allerdings gibt es keine direkte Pipelineverbindung. Gas wird über Russland, Kasachstan, Iran, Aserbaidschan und die Türkei exportiert.

Die deutsche Wirtschaft ist vor Ort mit etwa 50 Firmen vertreten. Des Weiteren gibt es eine Reihe an gemeinsamen Projekten. Sowohl die Deutsche Bank, in deren Berliner Repräsentanz das Businessforum stattfand, als auch die Commerzbank sind schon länger Partner des autoritären Regimes.

Das BIP-Wachstum betrug laut turkmenischen Angaben im Jahr 2018 6,2 Prozent. Das Land braucht dringend Devisen. Es gehört zu den am stärksten abgeschotteten Ländern der Welt und leidet zunehmend unter einer Wirtschaftskrise. Die kostenlose Grundversorgung der Bevölkerung mit Gas, Strom, Wasser und Salz wurde abgeschafft. Berichten zufolge steht gar eine humanitäre Katastrophe kurz bevor. Im Korruptionsindex von Transparency International landet das Land auf Rang 161 von 180.

Turkmenistan wird seit 2006 von Präsident Gurbanguly Berdimukhamedov regiert, der gleichzeitig Staats- und Regierungschef ist. Medienberichten zufolge bereitet der 62-Jährige langsam die Machtübergabe an seinen Sohn Serdar Berdimukhamedov vor.

Obwohl Turkmenistan in der Entwicklungszusammenarbeit kein Partnerland von Deutschland ist, gibt es gemeinsame Projekte. So unterhält Deutschland mit Turkmenistan ein bilaterales Managerfortbildungs-Programm, in dessen Rahmen jedes Jahr etwa 25 Personen nach Deutschland eingeladen werden. 2016 wurde ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen.