Den turkmenischen Öl- und Gassektor erwarten radikale Veränderungen

Turkmenistan
30.01.19 Öl & Gas, Turkmenistan

(ant) – Der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow strebt offenbar eine grundlegende Reform des Brennstoff- und Energiesektors des Landes an. Dies berichten dem Nachrichtenportal ANT zufolge zwei anonyme, voneinander unabhängige Quellen aus turkmenischen Behörden. Der gesamte Sektor stehe kurz vor dem Kollaps.

Trotz der vom stellvertretenden Ministerpräsidenten sowie von den Geschäftsführungen der staatlichen Öl- und Gaskonzerne Turkmenneft und Turkmengaz regelmäßig angekündigten Verwaltungssanktionen, die den Brennstoff- und Energiesektor überwachen sollen, sowie häufiger Wechsel der Verantwortlichen in der Öl- und Gasproduktion könnten die Mängel im wichtigsten Industriesektor Turkmenistans nicht beseitigt werden.

Laut einer der beiden Quellen prüfe der Präsident derzeit Reformvorschläge, die ihm vorgelegt worden seien. Möglicherweise sollen demnach monopolistische Unternehmen abgeschafft werden, so wie es im Juli 2017 auch mit der Unternehmensgruppe Turkmenneftegazstroy geschehen ist. Möglich ist auch die Zusammenlegung von Unternehmen und Behörden, nach Art des staatlichen Fischereiausschusses, der im Oktober 2018 dem turkmenischen Ministerium für Industrie angegliedert worden war. Im Raum stehe auch die vollständige Auflösung, wie es mit dem Ministerium für öffentliche Versorgung Ende August 2018 geschehen ist. Eine Antwort, so die Quelle laut ANT, werde es „bald“ geben.

Die zweite Quelle berichtet über anstehende Umbesetzungen im Top-Management des Brennstoff- und Energiesektors sowie über die Entlassung verschiedener hochrangiger Manager, die bereits mehrere Verweise erhalten hätten.

Im September 2018 war der stellvertretende Ministerpräsidenten Muratgeldy Meredov aufgrund von Mängeln im Öl- und Gassektor sowie unzulässiger Erfüllung staatlicher Aufgaben durch Präsident Berdimuhamedov abgemahnt worden. Ebenso traf es den Vorsitzenden von Turkmenneft Dovletdurdy Khadzhiev sowie den Vorsitzenden von Turkmengaz Murat Archayev.

Berdimuhamedov hatte die Intensivierung der Reformen des Öl- und Gassektors sowie konkrete kurzfristige Maßnahmen gefordert, um den Sektor effektiver zu machen. Offenbar gingen die Bemühungen bei den Staatskonzernen allerdings nicht weit genug. Am 23. Januar erhielt Turkmenneft-Chef Khadzhiev einen weiteren öffentlichen Verweis.

„Die gesamte Spitze des Sektors steckt voller Korruption und ist mit dem Diebstahl des verbliebenen Restes beschäftigt“, so eine ANT-Quelle. „Die Korruption hat selbst ausländische Unternehmen, die seit Jahren in Turkmenistan tätig sind und die Entwicklung des Sektors vorantreiben, in den Bankrott getrieben.“

Dem Bericht zufolge würden im Sektor schon lange keine Gewinne gemacht. In den letzten zehn bis 15 Jahren seien Turkmenneft und Turkmengaz zum Selbstbedienungsladen für Ausgaben geworden, die weder etwas mit dem Sektor, noch mit Regierungsaufgaben zu tun hätten – beispielsweise für die Finanzierung von Rallys.

Derzeit würden die Schulden einer staatlichen Struktur durch eine noch etwas besser dastehende Struktur gedeckt. Infolgedessen werde Anlagevermögen abgeschrieben, das bereits wertlos sei, der Verfall von Ausrüstungen werde durch den Staat nicht kompensiert.

Gleichzeitig seien die staatlichen Energiekonzerne in Turkmenistan in Größenordnungen von mehreren Millionen Euro gegenüber ausländischen Lieferanten verschuldet.