Usbekistan und Tadschikistan wollen Handelsbilanz auf eine Milliarde US-Dollar erhöhen

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13.03.18 Tadschikistan, Usbekistan, Regionalpolitik

© MFA Tadschikistan

(gazeta) – Am 9. und 10. März hat der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev erstmals in seiner Amtszeit Tadschikistan besucht und seinen tadschikischen Amtskollegen Emomali Rahmon getroffen. Der Staatsbesuch gilt als historische Annäherung beider Länder. Zum letzten Mal hatte der im September 2016 verstorbene usbekische Präsident Islam Karimov dem Nachbarland im Juni 2000 einen Besuch abgestattet.

Beide Präsidenten betonten während ihres ersten Treffens, dass die Partnerschaft der Länder ein „enormes ungenutztes Potenzial“ berge. Sie hielten es für realistisch, den Handelsumsatz beider Länder, der im vergangenen bei 240 Mio. USD lag, innerhalb weniger Jahre auf eine Milliarde US-Dollar pro Jahr zu steigern. Im kommenden Jahr schon könnte der Umsatz bei 500 Mio. USD liegen.

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Tadschikistan war eines der Hauptthemen der Gespräche in Duschanbe. An den Verhandlungen nahmen Ministerien und Unternehmen sowie die Verwaltungen der Gebiete beider Staaten teil, durch die die gemeinsame Grenze verläuft.

So soll untersucht werden, wie beide Länder den jeweiligen Nachbarn bei der Grundversorgung mit bestimmten Produkten unterstützen können. Usbekistan bekundete sein Interesse an der Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen einzelnen Regionen und führenden Unternehmen beider Länder. Sowohl in Usbekistan als auch in Tadschikistan besteht Bedarf an landwirtschaftlichen Maschinen, Baumaterialien, Textil- und Elektroprodukten sowie bei der Produktion von Nahrungsmitteln.

Im Interesse beider Länder ist auch die strategische Zusammenarbeit beim Ausbau des Transport- und Logistiksektors sowie des Transitverkehrs. Der Schienengüterverkehr soll ausgebaut werden.

Usbekistan erwägt, sich am Bau des Wasserkraftwerks Rogun zu beteiligen. Im Rahmen des Treffens wurde diesbezüglich eine gemeinsame Erklärung der beiden Präsidenten unterzeichnet.

Die bestehenden und im Bau befindlichen Wasserkraftanlagen, so die beiden Staatsoberhäupter, hätten eine enorme Bedeutung für die Lösung von Wasser- und Energieproblemen in Zentralasien.  „In diesem Zusammenhang“, so hieß es in einer Erklärung auf der Website des usbekischen Außenministeriums, „äußerte die usbekische Seite ihre Bereitschaft, dem Bau von Wasserkraftwerken in der Republik Tadschikistan, einschließlich dem Wasserkraftwerk Rogun, ihre volle Unterstützung zu geben“. – Die Erklärung ist insofern bemerkenswert, als dass das Megaprojekt Rogun seit Jahren ein Streitthema zwischen beiden Ländern gewesen war. Usbekistan hatte den Bau verhindern wollen. Das erste Aggregat in Rogun soll dieses Jahr ans Netz gehen.

Shavkat Mirziyoyev betonte bei den Gesprächen in Duschanbe, dass die oberste Priorität der Außenpolitik Usbekistans die enge Zusammenarbeit mit seinen nächsten Nachbarn sei, diese solle zunehmend gestärkt werden.

Während des Besuchs von Mirziyoyev in Duschanbe wurde zudem eine Einigung über den Verlauf und Betrieb der usbekisch-tadschikischen Staatsgrenze erzielt. Außerdem einigten sich Rahmon und Mirziyoyev, dass Staatsbürger beider Länder das jeweilige Nachbarland künftig bis zu 30 Tage visafrei bereiten können.

Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sollen auch die Kontakte in den Bereichen Tourismus, Kultur und humanitäre Hilfe intensiviert werden.

Während des Staatsbesuches fand ein Business-Forum statt, an dem rund 500 Wirtschaftsvertreter beider Länder teilnahmen. Im Rahmen des Forums wurden 16 Vereinbarungen über Projekte im Wert von 620 Mio. USD unterzeichnet.

Nach Ende der Gespräche lud Shavkat Mirziyoyev Emomali Rahmon zu einem Gegenbesuch in Usbekistan ein.