Talco übernimmt Rusals Anteile an Hotel Hyatt Regency und Business-Center Sosidanye

Tadschikistan
17.02.17 Bergbau & Metallurgie, Tadschikistan, Russland

(ozodi) - Die tadschikische Regierung hat entschieden, dem russischen Aluminium-Produzenten Rusal dessen Anteile am Hotel Hyatt Regency und dem Business-Center Sosidanye in Duschanbe abzukaufen.

Laut Radio Ozodi habe eine anonyme Quelle innerhalb der tadschikischen Regierung bestätigt, dass in Kürze eine Einigung mit dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska, dem Eigentümer von Rusal, erzielt und in Kürze unterzeichnet würde.

Laut Regierungsquelle übernehme die staatliche Aluminiumgesellschaft Talco die Anteile im Gesamtwert von 150 Mio. USD. Die Summe solle innerhalb der nächsten zehn Jahre überwiesen werden.

Der russische Konzern Rusal fährt sein Engagement in Tadschikistan seit Oktober 2016 kontinuierlich zurück. Vertreter des Unternehmens hatten in einem Interview gegenüber Radio Ozodi geäußert, dass sie keine Perspektive für weitere Aktivitäten in Tadschikistan sähen. Die seit Längerem bestehenden unternehmerischen Differenzen zwischen Rusal und Talco sollten im gegenseitigen Einvernehmen friedlich beigelegt werden. Man habe sich entschlossen, das Engagement zu beenden und getrennte Wege zu gehen, so Vertreter von Rusal laut Radio Ozodi.

Dem tadschikischen Wirtschaftsexperten Zafar Abdullaev zufolge sei die Möglichkeit einer solchen Transaktion seit langem bekannt gewesen, sie hinge direkt mit den Rechtsstreitigkeiten zwischen Talco und Rusal zusammen. Laut Abdullaev seien das Hyatt Regency und das Business-Center Sosidanye von Anfang an Aktivposten innerhalb des Konflikts gewesen und Talco habe frühzeitig die Bereitschaft gezeigt, Ansprüche gegenüber Rusal gegen den Erwerb der beiden Objekte zurückstellen zu wollen.

Der Rechtsstreit hatte vor drei Jahren begonnen. Damals hatte sich das Unternehmen Rusal – dem Mitte 2000 von tadschikischer Seite das Recht entzogen worden war, Rohstoffe für Talco zu produzieren und den Vertrieb zu steuern – an ein internationales Schiedsgericht gewandt und von Talco Schadenersatz in Höhe von 274 Mio. USD gefordert. Das Management von Talco wiederum hatte die Forderung abgewiesen und im Gegenzug Verluste in Höhe von nahezu einer halben Milliarde US-Dollar aus der Zusammenarbeit mit Rusal reklamiert.

Das Gericht vertrat im Oktober 2013 die Position der zu Rusal gehörenden Hamer Investment Ltd. und verurteilte Talco zu einer Zahlung von 274 Mio. USD an das russische Unternehmen (112,7 Mio. USD entgangener Gewinnen, 147 Mio. USD Zinsen und 14,58 Mio. USD Anwaltskosten).

Um die Entscheidung des Gerichts zu vollziehen, hatte sich Rusal an das Oberste Wirtschaftsgericht Tadschikistans wenden sollen. Das jedoch tat das russische Unternehmen nie. Der Grund: Die tadschikische Generalstaatsanwaltschaft hatte zur gleichen Zeit ein Schadenersatzverfahren zugunsten von Talco gegenüber der Hamer Investment Ltd in Höhe von 400 Mio. USD eröffnet.

Im Februar 2015 sah Rusal-Besitzer Oleg Deripaska von Forderungen gegenüber Talco ab. Wie verschiedene Medien berichteten, hatte die tadschikische Seite den Russen im Gegenzug ein Vergleichsangebot mit verschiedenen weiteren Geschäftsoptionen unterbreitet, das offenbar beide Parteien zufrieden stellte.

Rusal war ursprünglich mit dem Vorhaben nach Tadschikistan gekommen, das Wasserkraftwerk Rogun zu bauen. Im Jahr 2004 hatte die russische Regierung in Absprache mit Rusal ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge Rusal den Bau der ersten Phase des Wasserkraftwerks Rogun umsetzen, eine Anlage für das tadschikische Aluminiumwerk von Talco und eine neue Aluminiumhütte in Dangar bauen wollte. Die gesamte Investitionssumme für die damals in Tadschikistan geplanten Projekte betrug rund 1,5 Mrd. USD.

Allerdings traten kurz darauf Differenzen zwischen den Partnern auf. Stein des Anstoßes war die fehlende Einigung zur Höhe des Rogun-Staudamms. Laut einer Machbarkeitsstudie des deutschen Ingenieur-Consulting-Unternehmens Lahmeyer, die durch Rusal in Auftrag gegeben worden war, sollte der Staudamm aus Beton und maximal 285 Meter hoch sein. Tadschikistan allerdings bestand auf einem Steinschüttdamm mit einer Höhe von 335 Metern. Rusal weigerte sich daraufhin, weiterhin an dem Projekt mitzuwirken.

Experten allerdings glauben, Oleg Deripaska habe das Interesse an Projekten in Tadschikistan verloren, nachdem die tadschikische Regierung sich gegen einen Verkauf des Aluminiumwerks entschieden hatte. Ursprünglich hatte der russische Oligarch ein Kaufinteresse gehabt. Nach der Entscheidung der tadschikischen Regierung, strategische Objekte wie das Aluminiumwerk nicht aufgeben zu wollen, habe Deripaska sich zurückgezogen.