Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat mit dem Schiedsgerichtshof (SGH) eine zentrale Institution zur verbindlichen Beilegung von Wirtschaftsstreitigkeiten geschaffen. Das Schiedsverfahren bietet eine rechtlich verbindliche Alternative zum staatlichen Gerichtsverfahren und gewährleistet zugleich Vertraulichkeit. Die Schiedsregeln des SGH ermöglichen eine effiziente, kostengünstige und digitale Verfahrensführung.
Der SGH steht Unternehmen bei nationalen wie internationalen Wirtschaftsstreitigkeiten offen. Die Einleitung eines Schiedsverfahrens ist unkompliziert und kann vollständig digital über die Website des SGH erfolgen.
Als zentrale Anlaufstelle bündelt der SGH die Schiedsaktivitäten der 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Seine gesetzliche Grundlage ist im Industrie- und Handelskammergesetz (IHKG) verankert.
Die Vorteile des SGH-Schiedsverfahrens
Flexibilität und Mitgestaltung
Das SGH-Schiedsverfahren lässt sich flexibel an die Bedürfnisse der Parteien anpassen. Sie können die Schiedsrichter, die Verfahrenssprache (Deutsch oder Englisch), den Schiedsort und den Verhandlungsort sowie das anwendbare Recht bestimmen. So gestalten Sie das Verfahren aktiv mit und schaffen die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Streitbeilegung.
Bei Streitwerten bis zu 250.000 Euro entscheidet grundsätzlich ein Einzelschiedsrichter. Bei höheren Streitwerten wird das Schiedsgericht mit drei Schiedsrichtern besetzt.
Vertraulichkeit und Schutz sensibler Informationen
Im Gegensatz zu staatlichen Gerichtsverfahren findet das Schiedsverfahren nicht öffentlich statt. Unternehmensinterne Informationen, Geschäftsgeheimnisse und sensibles Know-how bleiben dadurch besonders geschützt. Zugleich wird vermieden, dass wirtschaftliche Konflikte unnötig an die Öffentlichkeit gelangen.
Effizienz und schnelle Entscheidungen
Klare Fristen und ein strukturiertes Verfahrensmanagement nach international bewährten Standards ermöglichen eine zügige Streitbeilegung. In der Regel ergeht die Entscheidung innerhalb von zwölf Monaten. Für besonders dringende Fälle bietet der SGH ein beschleunigtes Fast-Track-Verfahren mit einer angestrebten Verfahrensdauer von nur sechs Monaten.
So können Unternehmen Konflikte effizient lösen, Ressourcen schonen und sich schneller wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Transparente und kalkulierbare Kosten
Verbindliche Honorartabellen und begrenzte Kostenerstattungsansprüche schaffen Kostentransparenz und erleichtern die finanzielle Planung. Zudem entfallen die Kosten zusätzlicher gerichtlicher Instanzen, da der Schiedsspruch grundsätzlich nicht wie ein staatliches Urteil durch mehrere Instanzen angefochten werden kann.
Internationale Anerkennung und Vollstreckbarkeit
Schiedssprüche bieten insbesondere im internationalen Geschäftsverkehr einen entscheidenden Vorteil: Auf Grundlage des New Yorker Übereinkommens von 1958 können sie grundsätzlich in den 172 Vertragsstaaten anerkannt und vollstreckt werden. Damit lassen sich berechtigte Ansprüche auch über Ländergrenzen hinweg durchsetzen.
Qualitätssicherung und rechtliche Verlässlichkeit
Der SGH unterstützt die Qualitätssicherung des Verfahrens durch institutionelle Begleitung. Seine Justiziare können das Verfahren unterstützen und unter Wahrung der Entscheidungsfreiheit des Schiedsgerichts Anregungen zur Gestaltung des Schiedsspruchs geben, um dessen formale Qualität und Vollstreckbarkeit zu fördern.
Der SGH verbindet damit die institutionelle Verlässlichkeit einer öffentlich-rechtlich geprägten Organisation mit der Flexibilität und Praxisnähe einer modernen Schiedsinstitution.
Digitale Verfahrensführung
Das SGH-Schiedsverfahren ist auf eine durchgängige digitale Abwicklung ausgerichtet. Von der Antragstellung bis zum Schiedsspruch werden die Verfahrensschritte über eine sichere digitale Verfahrensmanagementplattform organisiert und dokumentiert. Schriftsätze können online eingereicht und Verhandlungen in der Regel per Videokonferenz durchgeführt werden.
Das reduziert Reise- und Organisationsaufwand und ermöglicht eine ortsunabhängige, effiziente Streitbeilegung – sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Konflikten.
Ein starkes Netzwerk aus IHKs und AHKs
Der SGH profitiert von der engen Vernetzung mit den Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland sowie den Auslandshandelskammern (AHKs). Letztere sind an mehr als 150 Standorten in 93 Ländern weltweit vertreten. Dieses Netzwerk schafft internationale Nähe zur Wirtschaft und erleichtert den Zugang zu Informationen und Ansprechpartnern vor Ort.
Für welche Unternehmen eignet sich ein SGH-Schiedsverfahren besonders?
Das SGH-Schiedsverfahren ist insbesondere für Unternehmen geeignet, die Wert auf eine effiziente, vertrauliche und international ausgerichtete Streitbeilegung legen. Es bietet sich vor allem an für:
- Unternehmen mit vertraglichen Streitigkeiten, etwa aus Kauf-, Liefer- und Werkverträgen im nationalen und internationalen Geschäftsverkehr
- Mittelständische und große Industrieunternehmen, die wirtschaftliche Konflikte planbar und effizient lösen möchten
- International tätige Unternehmen und Joint Ventures, bei denen unterschiedliche Rechtsordnungen und grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen eine Rolle spielen
- Unternehmen mit komplexen Großprojekten, beispielsweise im Anlagenbau, in der Infrastruktur oder in der IT
- Unternehmen mit technisch oder wirtschaftlich anspruchsvollen Streitigkeiten, bei denen spezialisiertes Fachwissen gefragt ist
- Technologie- und innovationsorientierte Unternehmen, die besonderen Wert auf den Schutz von Geschäftsgeheimnissen, vertraulichen Informationen und Know-how legen
Der SGH bietet Unternehmen damit eine moderne Alternative zur staatlichen Gerichtsbarkeit, die Flexibilität, Vertraulichkeit, digitale Abläufe und internationale Durchsetzbarkeit miteinander verbindet.
Optionen zur Anpassung der Schiedsgerichtsklausel sowie eine englische Fassung finden Sie auf der Webseite des SGH.
Weiterführende Informationen
Zusätzliche Informationen zum SGH-Schiedsverfahren, einen Kostenrechner und den Konfliktnavigator finden Sie unter Schiedsgerichtshof SGH
Bitte beachten Sie auch die weiteren Möglichkeiten der alternativen Konfliktlösung.