Am 29. September 2026 besuchte der Präsident der Republik Kasachstan, Kassym-Schomart Tokajew, Berlin zu politischen Gesprächen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Im Mittelpunkt des Besuchs standen der Ausbau der bilateralen Wirtschafts- und Rohstoffpartnerschaft, Investitionen sowie die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kasachstan.
Bei den Gesprächen im Bundeskanzleramt bekräftigten beide Seiten ihr Interesse an einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Deutschland sieht Kasachstan als wichtigen Partner für die Diversifizierung von Energie- und Rohstofflieferketten. Bundeskanzler Merz betonte insbesondere das deutsche Interesse an zusätzlichen Öllieferungen aus Kasachstan sowie an einer vertieften Kooperation im Bereich kritischer Rohstoffe. Präsident Tokajew unterstrich seinerseits die Bereitschaft seines Landes, die Zusammenarbeit über den reinen Rohstoffhandel hinaus zu einer umfassenden Industrie- und Technologiepartnerschaft auszubauen.
Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs war das Deutsch-Kasachische Wirtschaftsforum im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin, das gemeinsam von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und der Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien (AHK) organisiert wurde. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft nahmen an der Veranstaltung teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Präsident Tokajew sowie mehrere Ministerinnen und Minister beider Länder.
Im Rahmen des Forums wurden zahlreiche neue Kooperationsvorhaben vorgestellt und Absichtserklärungen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,8 Milliarden Euro unterzeichnet. Die Projekte umfassen unter anderem die Bereiche Industrie, Energie, Rohstoffe, Transport und Logistik. Darüber hinaus wurden Perspektiven für eine intensivere Zusammenarbeit in der Landwirtschaft, der Digitalisierung, der industriellen Fertigung sowie bei Zukunftstechnologien diskutiert.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen. Kasachstan verfügt über bedeutende Vorkommen zahlreicher für die europäische Industrie strategisch wichtiger Rohstoffe. Beide Seiten bekräftigten das Ziel, gemeinsame Wertschöpfungsketten aufzubauen, die von der Förderung und Verarbeitung bis hin zur industriellen Weiterverarbeitung reichen. In diesem Zusammenhang vereinbarten Deutschland und Kasachstan eine Roadmap für die Jahre 2026 bis 2028, die gemeinsame Produktionsprojekte, technologische Kooperationen und den Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten fördern soll.
Bundespräsident Steinmeier hob beim Wirtschaftsforum die komplementären Stärken beider Länder hervor: Deutschland bringe Technologie, Kapital und industrielles Know-how ein, während Kasachstan über bedeutende Rohstoffvorkommen, Wachstumspotenzial und eine strategische Lage zwischen Europa und Asien verfüge. Präsident Tokajew bezeichnete Deutschland als einen langjährigen strategischen Partner und warb für eine weitere Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Der Staatsbesuch und das Wirtschaftsforum unterstrichen die wachsende Bedeutung der deutsch-kasachischen Beziehungen. Die vereinbarten Initiativen und Projekte schaffen wichtige Voraussetzungen für neue Investitionen, technologische Kooperationen und nachhaltige Wertschöpfung auf beiden Seiten und setzen ein starkes Signal für die weitere Vertiefung der Partnerschaft zwischen Deutschland und Kasachstan.
Im Anschluss an seinen Aufenthalt in Berlin setzte Kassym-Schomart Tokajew seine Deutschlandreise in München fort. Dort finden weitere Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft statt.