Rund 50 Unternehmensvertreter aus Deutschland und Kasachstan trafen sich am 29. Mai 2026 zum Webinar „100 Minuten Recht: Aktuelle Fragen für Unternehmen“. Veranstalter war die Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien (AHK Zentralasien) gemeinsam mit ihren Partnern RSP International, ADL Disputes, VIAC und Rödl & Partner. Ziel war es, aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen sowie Fragen der Investitionssicherheit in Kasachstan zu beleuchten.
Der Delegierte der deutschen Wirtschaft für Zentralasien, Eduard Kinsbruner, eröffnete die Veranstaltung und führte in das Programm ein.
Rechtsformen: Entscheidung mit langfristigen Folgen
Nikolai Knorr (RSP International) gab einen Überblick über die wichtigsten Rechtsformen für unternehmerische Tätigkeiten in Kasachstan. Besonders häufig wählen ausländische Unternehmen die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Alternativen sind Filialen und Repräsentanzen.
Aus dem Vortrag wurde deutlich, dass die Wahl der Rechtsform weitreichende Konsequenzen hat – etwa für Steuern, Finanzierung, Governance und Haftung. Sie sollte daher nicht nur aus Gründungsperspektive, sondern auch mit Blick auf eine mögliche spätere Auflösung durchdacht werden. Auch die Entscheidung für das anwendbare Recht – kasachisch oder ausländisch – spielt eine zentrale Rolle, insbesondere für die Durchsetzbarkeit in Streitfällen.
Investitionsschutz: rechtliche Grauzonen bleiben
Dina Berkaliyeva und Valikhan Shaikhenov (ADL Disputes) sowie Karl Pörnbacher (VIAC) beleuchteten den Schutz deutscher Investitionen in Kasachstan. Die rechtliche Problematik rührt zum einen von potenziellen Normenkollisionen zwischen dem internationalen und nationalen Recht sowie noch schwerwiegender von der Einbindung Kasachstans in regionale Strukturen wie die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU). Die gegenseitige Anerkennung von Gesetzen und Gerichtsentscheidungen kann Risiken für ausländische, deutsche Investoren in Fällen schaffen, in denen ihre Aktiva in Kasachstan beansprucht werden können.
Die Referierenden stellten verschiedene Wege zur Streitbeilegung vor – von nationalen Gerichten über internationale Instanzen bis hin zur Schiedsgerichtsbarkeit. Auch die seit 2021 bestehenden Verwaltungsgerichte wurden hervorgehoben: Sie ermöglichen Unternehmen, gegen rechtswidrige Handlungen staatlicher Stellen vorzugehen.
Sanktionscompliance: steigende Anforderungen für Unternehmen
Dr. Tatiana Vukolova (Rödl & Partner) widmete sich der Sanktionscompliance aus EU-Perspektive. Kasachstan spielt als Handelsdrehscheibe im GUS-Raum eine zentrale Rolle, mit engen Wirtschaftsbeziehungen zu Europa. Entsprechend relevant ist das Risiko von Sanktionsverstößen.
Anhand praktischer Beispiele wurden typische Konstellationen der Sanktionsumgehung – etwa über Transitgeschäfte oder indirekte Lieferketten, erörtert. Unternehmen seien daher verpflichtet, umfassende Maßnahmen zur Vermeidung solcher Risiken zu ergreifen. Dazu zählen insbesondere: regelmäßige Schulungen von Mitarbeitenden, kontinuierliches Monitoring von Sanktionsregimen, sorgfältige Prüfung von Geschäftspartnern. Besonders wichtig sei die frühzeitige Analyse bereits bei der Anbahnung von Geschäftsbeziehungen: Wer ist der Partner? In welchem Geschäftsfeld ist er tätig? Und welche Risiken ergeben sich daraus?
Große Nachfrage unterstreicht Relevanz
Im anschließenden Frage‑und‑Antwort‑Teil nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch mit den Expertinnen und Experten. Das große Interesse zeigte: Rechtssicherheit und Sanktionsfragen gehören weiterhin zu den zentralen Herausforderungen für Unternehmen in der Region.